Rezension #1

“The Next Gig” (NL) - Shannon Barnett’s Wolves and Mirrors

March 17, 2021

 

(übersetzt)

 

Jazz te Gast im Westerkwartier ist seit Jahren eines der schönsten Musikfestivals des Nordens. In den Gärten der Häuser entlang einer Straße in Zuidhorn finden Sie große Namen und junge Talente, die "schwierigen", aber auch sehr zugänglichen Jazz machen. Jam-Session-artige Auftritte mit gelegentlichen Formationen, aber auch reibungslose Auftritte mit einem ganzen Orchester oder einer eigenen Band. Artists in Residence sorgen für einen schönen musikalischen Fluss, und an jeder Ecke gibt es eine Überraschung. Bei der bisher letzten Ausgabe war Shannon Barnett eine der Künstlerinnen, die unter ihrer eigenen Flagge und dann mit ihrer Posaune unter dem Arm zu einer anderen Bühne sprintete, um zu einer anderen Formation beizutragen.

 

Barnett ist eine Posaunistin und Sängerin, die Köln als Wohnsitz gewählt hat, aber einen australischen Pass in der Tasche trägt. Ihre Arbeit wurde oft geglaubt, aber mit "Wolves and Mirrors" geht sie einen anderen Weg. Im Jahr 2016 veröffentlichte sie ihr nominiertes Album "Hype". Schon vorher hatte sie einen weiten Weg hinter sich, indem sie zunächst in der australischen Jazz-Szene für Furore sorgte und sogar im Zirkus arbeitete. Im Jahr 2010 zog sie nach New York, wo ihr Debütalbum Country" ihre Visitenkarte abgab. Von dort aus zog sie weiter nach Deutschland und teilte die Bühne mit den großen Namen der Jazzwelt. In Deutschland verbindet sie das Unterrichten mit dem eigenen Musizieren.

 

Wolves and Mirrors ist, wie gesagt, ein neuer Weg. Mit ihren Begleitern Heidi Bayer an der Trompete, Elisabeth Coudoux am Cello und Thomas Sauerborn am Schlagzeug wagt sie ein faszinierendes Experiment, in dem sich Jazz mit kleinen, von Folk geprägten Singer-Songwriter-Songs verbindet. Das Album beginnt faszinierend. Ein meeresähnlicher, wellenförmiger Klang, bei dem die Instrumente in einem experimentellen Intro langsam die Oberhand gewinnen, ist der Beginn von "Overseas 1", und dann eine sprechende Stimme, wobei Barnetts Stimme zunehmend in Gesang übergeht. Ein fesselnder Auftakt, der sich immer weiter ausdehnt. Sehr gut, aber auch sehr überraschend. Es bildet an sich eine weitere Einleitung zu "Overseas II", in der die Bläser miteinander ins Gespräch kommen. In "Mantra" ist sie instrumentell und wird immer intensiver in der Suche nach dem Gleichgewicht in einem disruptiven Experiment. Sehr schön ist "Martyr", zart bisweilen, mit schönem Gesang, und der Song stellt knappe Fragen. Einer der Songs, bei denen Barnett auch als Sängerin mehr als überzeugend ist.

 

Das ganze Album ist zeitweise voller schöner, zerbrechlicher Momente, in denen sich die Künstlerin traut, so verletzlich wie möglich zu sein. Nach dem ruhig beschwörenden "Well" gibt es wieder eine schöne Steigerung, Barnett bietet den Raum dafür, denn sie spart in ihren Liedern nicht an Zeit. Mantra II" ist wunderschön und wieder sehr zart. Der Höhepunkt des Albums ist "Song for Caroline (and Others)". Ein schöner Song, der noch einfühlsamer ist und einen fantastischen Kontrast zwischen geschäftigen Bläsern und sanftem Gesang bietet. Mit dem hektischen "Phases" geht dieses sensible, aber sehr eindringliche Album zu Ende. Es ist Jazz, der sich nicht vor Experimenten scheut, aber lassen Sie sich davon nicht abhalten. Shannon Barnett macht einen wunderbaren Job, nicht nur als Posaunist, sondern auch als Sänger.

http://thenextgig.nl/shannon-barnett-wolves-and-mirrors/

Rezension #2

"Citizen Jazz" (FR) - Wolves and Mirrors

(übersetzt)

Es ist die Geschichte einer australischen Posaunistin, die in Deutschland lebt. Es ist nicht wirklich ihre Geschichte, sondern eher die Geschichte, die sie erzählt.

Vielmehr sind es die Geschichten, denn in Wolves and Mirrors gibt es mehrere, und wenn sie sich auch noch so sehr vermischen: Sie sind voller Poesie, und das ist die Hauptsache. Shannon Barnett ist eine besonders feine Posaunistin: Mit dem schönen "Well" spielt sie alle möglichen Reliefs und Echos mit der Trompeterin Heidi Bayer, die bei der letzten Jazzahead entdeckt wurde, und der Cellistin Elisabeth Coudoux, drei Musikerinnen mit stimmähnlichem Timbre. Wenn sie allein dem Schlagzeuger Thomas Sauerborn gegenübersteht, der das Quartett abschließt, kann man auch hier ihr fließendes, stimmähnliches Spiel genießen. Das trifft sich gut, denn Barnett singt, und zwar wunderbar.


https://www.citizenjazz.com/Shannon-Barnett.html